Überzeugen mit effizienter Körpersprache

Kristian Cabanis and his horse

Alle sprechen von Effizienzsteigerung durch neue Technologien. Tatsächlich hängt der Erfolg jeder unternehmerischen Tätigkeit von der Qualität des Managements ab. Im Rahmen meines Jobs als Consultant habe ich mich gefragt, wie ich dieses verbessern kann. Als begeisterter Reiter kam mir die Idee, hierfür Pferde als effektive Coaches zu nutzen.

Die Medien berichten es täglich: neue Technologien und Prozesse, wie z.B. Künstliche Intelligenz oder agiles Arbeiten sind künftig „Brot und Butter“ für die Unternehmen. Folglich stürzen sich auch Airlines auf diese neuen Technologien und positionieren sich, um Wettbewerbsvorteile zu sichern. Einige werden viel Kapital verbrennen, etablierte Unternehmen verschwinden. Aber die Besten werden überleben und überproportional wachsen. Doch egal, welche Strategie man umsetzen will, der entscheidende Faktor ist der Mensch, bzw. der Manager.

Manager müssen die gewählte Strategie mit einem angemessenen Führungsstil umsetzen. Doch woher weiß er, ob er „angemessen“ führt? Hier kommt der neutrale „Dritte“ ins Spiel. Es wirkt etwas wie „Old School“ im Vergleich zu Künstlicher Intelligenz: Pferde. Mit ihrem Vermögen, Leittiere von Durchschnittswesen zu unterscheiden, teilen sie uns sofort und uneingeschränkt ehrlich mit, inwieweit sie uns als Führungspersönlichkeit akzeptieren.


Die angemessene Mitarbeiterführung

Was wir bei der Diskussion rund um die neuen Technologien oft vergessen, ist immer wieder der Faktor „Mensch“. So ist der Bereich „Human Resources“ nach meiner Erfahrung einer der entscheidenden Aspekte bei der Umsetzung von Projekten oder Strategien.

Dazu zählen natürlich gut ausgebildete technische Fachkräfte, sowie entsprechend geeignetes Management, das die richtige Mannschaft zusammenstellt, mit einem angemessenen Führungsstil motiviert und sein „Leadership“ glaubhaft nach außen darstellt.

Zentrale Aspekte von "Leadership" sind das Führen

  • …in kooperativer Art und Weise

  • …mit Empathie und Intuition

  • …mit vereinbarten Zielen

Das ist natürlich keineswegs neu und es gibt dazu sehr gute Beispiele aus der Geschichte, unter anderem der Wettlauf zum Südpol von Amundsen und Scott, der auf tragische Weise verdeutlicht, wie überlebenswichtig eine angemessene Führung ist. Amundsen war Teamplayer mit Führungsqualitäten, während Scott ein dominanter, streng hierarchisch agierender Anführer war – mit den bekannten Konsequenzen für beide Expeditionen…

Letztendlich ist Führen ähnlich wie Autofahren – als Manager muss man in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich gut reagieren können. Da stellt sich die Frage, wie gut sind unsere Manager überhaupt? In der „Willis Towers Watson Global Workforce Study“ von 2017 wurde die Führungsfähigkeit von Top Managern im Rahmen einer Befragung von 97.000 Personen in 30 Ländern untersucht. Dort heißt es u.a. „Führungskräfte stärken mit Social Skills das nachhaltige Engagement ihrer Mitarbeiter/innen. Mitarbeiter/innen in Deutschland geben ihnen hier jedoch schlechte Noten. Und die Geschäftsleitung wird zwar in Sachen Unternehmenswachstum und Kostenkontrolle positiv bewertet, jedoch nicht, was ihr Handeln gemäß der Unternehmenswerte angeht.“

Dieses Ergebnis ruft nach Initiative, insbesondere, wenn man als Unternehmen seine führende Position im Markt ausbauen bzw. behaupten will.

 

Wie findet man einen guten Manager oder Mitarbeiter/innen bzw. wie kann man ihn dazu ausbilden?

In meiner täglichen Arbeit als Berater ist mir aufgefallen, dass im beruflichen Alltag diejenigen Kollegen/innen die meiste Aufmerksamkeit erlangen, die sich am auffälligsten verhalten. Häufig werden solche Kollegen/innen wegen ihrer extrovertierten und dominanten Art, mit der sie sich in den Vordergrund drängen, schneller befördert oder mit (Führungs-) Aufgaben betraut, als andere. Ein dominanter Führungsstil ist nicht unbedingt negativ, es wird nur dann zu einem demotivierenden Faktor für Mitarbeiter/innen, wenn sich die/der Führende in ihrer bzw. seiner Kompetenz überschätzt, aggressiv führt und so kein Vertrauen bei seinen Mitarbeitern/innen generieren kann.

Auf der anderen Seite gibt es introvertierte Mitarbeiter/innen, die wegen ihrer unauffälligen Art oft wenig Beachtung im Berufsalltag finden. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass diese Kollegen/innen häufig sehr zurückhaltend sind und durch wenig Kommunikation ihr Potential nicht optimal nutzen. Ihre Leistungen können sehr gut sein, aber durch ihre unaufdringliche Arbeitsweise fallen sie im Berufsalltag weniger auf als ihre extrovertierten Kollegen. Es ist schwierig, ihr Leistungsvermögen realistisch zu beurteilen, was häufig zu einer schlechteren Einschätzung führt. Es kann zu einem erheblichen Verlust für ein Unternehmen führen, wenn diese Mitarbeiter/innen nicht erkannt und gefördert werden. Genauso bedeuten schlecht führende Manager einen Verlust an „Human-“, aber auch an „Real Capital“, wenn vorhandene Chancen und gesetzte Ziele nicht erreicht werden oder ein Unternehmen sich aus einem Markt zurückziehen muss.

 

Coaching: Potentiale effektiv fördern – Führungsqualitäten verbessern

Im Rahmen meines Berufs als Consultant für Restrukturierungsprojekte, bei denen naturgemäß schnell Entscheidungen für weitreichende Maßnahmen getroffen und Mitarbeiter/innen für Entscheidungen begeistert werden mussten, habe ich viele Führungskräfte mit unterschiedlichsten Facetten kennengelernt. Restrukturierungsprojekte sind nun nicht nur Projekte, in denen neue Strategien entwickelt oder Unternehmen zerschlagen werden, sondern auch immer Projekte mit einem sehr hohen „Change Management“, also Human Resources Anteil. In dem Zusammenhang habe ich mir die Frage gestellt, wie ich die Führungsqualitäten der Manager/innen verbessern bzw. die Potentiale von zurückhaltenden, aber sehr fähigen Mitarbeiter/innen fördern kann.

Als Lösung tauchte für mich immer wieder das Coaching auf. Für Timothy Gallwey, ein amerikanischer Sportpädagoge, bedeutet Coaching „das Potenzial eines Menschen freizusetzen, um seine eigene Leistung zu maximieren.“ Und nach Peterson/Hicks ist „Coaching (…) ein Prozess, Menschen mit den Werkzeugen, dem Wissen und den Möglichkeiten auszustatten, die sie brauchen, um sich selbst weiterzuentwickeln und erfolgreicher zu werden.“ In diesem Sinne ist das Coaching keine theoretische Lehrstunde, die „etwas“ von außen aufgesetztes überstülpt, sondern den Weg der Selbsterkenntnis nutzt, um persönlich bedeutsame Lösungen zu finden.

Doch wie kann man mit effektiven Mitteln den fortwährend unter Zeitnot stehenden Managern schnell, praktisch und vor allem effektiv vermitteln, wo ihr Verbesserungspotential liegt und ihnen gleichzeitig Lösungsansätze nahebringen, ohne in theorisierenden Persönlichkeitsschulungen wertvolle Zeit zu konsumieren?

 

Das Pferd als nicht manipulierbarer, effektiver Coach

Durch meine Erfahrungen als begeisterter Reiter kam ich zu der Überlegung, die besonderen Eigenschaften des Lebewesens Pferd zu nutzen. Dafür habe ich eng mit einer erfahrenen Pferdetrainerin und Turnierreiterin zusammengearbeitet. Pferde sind soziale Lebewesen mit besonderen Charaktereigenschaften. Im Umgang mit ihnen lernt man viel über sie, aber auch über sich selbst.

Das Wesen des Pferdes zeichnet sich durch folgende drei artspezifische Eigenschaften aus:

  • das Pferd ist ein Herdentier
  • das Pferd ist ein Fluchttier
  • Pferde kommunizieren

Das Pferd ist, ebenso wie der Mensch, ein soziales Lebewesen mit demselben angeborenen Verlangen nach Gesellschaft. In Gesellschaft anderer Pferde fühlt es sich am wohlsten. (Rees). Um ihr Bedürfnis nach Gesellschaft zu befriedigen, schließen sich Pferde unterschiedlichen Alters und Geschlechts in Herden zusammen.

Herausragendes Merkmal einer Herde ist die Bedeutung von Rollenzuweisungen, Familie und Freundschaft. Dadurch wird das Pferd zu einem sozialen Lebewesen. Innerhalb der Herde herrscht eine klare Rangordnung. Das dominanteste Pferd übernimmt die Funktion des Leittieres, dem der gesamte Sozialverband folgt.

Dominanz darf nicht mit Aggressivität verwechselt werden: das Leittier zeichnet sich durch seine Führungsqualitäten aus (Rees). Das bedeutet, dass es in der Lage ist, durch seine dominante Position der gesamten Herde Sicherheit und Schutz zu geben. Das Leittier trifft alle (überlebenswichtigen) Entscheidungen, und die Herde fügt sich ohne Zögern. Nur durch dieses Zusammenspiel konnte das Überleben in der Wildnis gesichert werden.

Im Umgang mit dem Pferd und im Rahmen des Coachings ist es wichtig, dass der Mensch diese Rolle des Leittieres einnimmt. So kann er zum einen das Pferd führen und Einfluss nehmen, was für die Arbeit und den Umgang mit dem Tier unverzichtbar ist. Zum anderen gibt er aber auch Sicherheit und Vertrauen. Dies erreicht man nur durch ein klares, eindeutiges und sicheres Auftreten. Pferde spüren aufgrund ihres angeborenen Fluchtinstinkts die kleinsten Unsicherheiten und lassen sich nicht über einen Mangel an einer dieser grundlegenden Fähigkeiten hinwegtäuschen. Dadurch werden sie zu einem ehrlichen, nicht manipulierbaren Spiegel für das eigene Verhalten.

Diese Selbsterkenntnis und Selbstwahrnehmung soll nun zum Wunsch nach Änderung führen. Nur wie kann das in der Praxis umgesetzt werden?

Maßgebend für die Umsetzung ist das sogenannte GROW-Modell von Whitmore:

G = Goal - Zieldefinition
R = Reality check - Was stelle ich nach außen tatsächlich dar?
O = Options - Welche Optionen habe ich, um "das" in den Griff zu bekommen?
W = Will - Was werden wir machen, um "das" zu ändern und bis wann?

 

Führen & Einfluss nehmen, Sicherheit geben und Vertrauen aufbauen

Auf den Aspekten „Führen und Einfluss nehmen“ ebenso wie „Sicherheit geben und Vertrauen aufbauen“ liegt das Augenmerk des Konzepts. Die Mitarbeiter/innen lernen durch den Umgang mit dem Pferd, die Rolle des Leittieres zu übernehmen.

Für das Leben in der Gemeinschaft ist die Kommunikation ein wesentliches Element. Dies gilt im Arbeitsleben genauso wie in der Pferdeherde. Pferde kommunizieren durch Rufe, Körperhaltungen und Bewegungen, die den emotionalen Zustand – Erregung oder Entspannung – signalisieren. Pferde können sich nicht verstellen. Ebenso wie die Pferde ihre sozialen Gefühle auf den Menschen übertragen, beziehen sie auch den Menschen in ihre Kommunikation ein. Sie reagieren auf die Stimme, Körperhaltung und Muskel(ent)spannung des Menschen (Rees). Dadurch kommunizieren Pferde ganzheitlich und authentisch. Da dies auch ein elementarer Bestandteil bei der Führung von Mitarbeiter/innen ist, kann man dies für das Coaching hervorragend nutzen.

Aber auch eine andere Eigenschaft der Tiere macht man sich bei diesem Coachingansatz zunutze: ihre Ehrlichkeit. „Pferde sehen uns als Leitfigur. Sie testen ständig: Bin ich in guten Händen?” Ohne die richtige Ausstrahlung verweigerten sie die Gefolgschaft. Pferde halten den Menschen also einen Spiegel vor, den sie so von ihren Mitmenschen nicht geliefert bekommen.

Die Teilnehmer lernen, die Rolle des Leittieres zu übernehmen, mit dem Pferd zu kommunizieren und ihre eigene (Körper-) Sprache zu reflektieren und gezielt einzusetzen. Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd erfolgt durch den bewussten Einsatz von Körperhaltung und Stimmsignalen. Der eher introvertierte und zurückhaltende Mitarbeiter lernt authentisch und selbstbewusst in einem ganzheitlichen Kontext aufzutreten, in dem er seine Körpersprache entscheidend verbessert. Eine dominante und extrovertierte Führungskraft lernt Sicherheit zu geben und Vertrauen aufzubauen, denn nur so können Mitarbeiter/innen zu Höchstleistungen motiviert werden und Strategien erfolgreich umgesetzt werden.

Damit werden zwei wichtige Säulen der "Human Resources" entscheidend gestärkt: introvertierte und dominante Mitarbeiter. Und, ich bin mir ganz sicher, dass die vierbeinigen Kommunikations-Experten die Umsetzung Ihrer Strategie im Unternehmen gezielt unterstützen und zum Erfolg bringen können.

 

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