Im AGIFORS-Vorsitz – einmal um die Welt

Interview mit Judith Semar

Judith Semar ist Product Line Manager für NetLine bei Lufthansa Systems. Seit Anfang 2019 ist sie außerdem AGIFORS-Vorsitzende der Study Group „Airline Operations“. Im folgenden Interview berichtet Judith, was das bedeutet und wie sie dabei Airliner und Aviation Professionals aus der ganzen Welt kennenlernt.


Du hast Anfang 2019 für zwei Jahre den AGIFORS-Vorsitz der Study Group „Airline Operations“ übernommen. Was genau ist die AGIFORS und was hat es mit der Study Group auf sich?

AGIFORS steht für Airline Group of International Federation of Operational Research Society. Sie widmet sich der Förderung und Anwendung operativer Forschungsmethoden in der internationalen Luftfahrtindustrie. Dabei ist die AGIFORS in vier Study Groups organisiert: Operations, Strategic Scheduling & Planning, Crew Management und Revenue Management & Pricing. Das sind auch die Fachdomains, in denen NetLine Produkte anbietet. Die Teilnehmer tauschen sich über Zukunftsthemen, Herausforderungen und neue Lösungsansätze aus. Diese Konferenzen sind sehr wichtig für uns, weil sie Ideen- und Impulsgeber für neue und verbesserte NetLine-Funktionalitäten sind.

Die Konferenzen werden jährlich im Wechsel auf verschiedenen Kontinenten veranstaltet. Im Juni 2019 waren wir mit der AGIFORS Ops in Paris, im September geht’s mit der AGIFORS Summit nach Seattle und letztes Jahr, als ich noch Teilnehmerin war, fand die Ops-Konferenz auf Hawaii statt.


Was genau waren deine Aufgaben bei der diesjährigen AGIFORS Ops Konferenz?

Meine Aufgabe lag darin, im Vorfeld das Konferenzprogramm zusammenzustellen und den reibungslosen Konferenzablauf sicherzustellen. Das bedeutet interessante Präsentationen zu akquirieren und aus den eingereichten Präsentationszusammenfassungen die spannendsten Vorträge auszuwählen. Jede Präsentation wird inhaltlich überprüft. Es kann auch vorkommen, dass der Vortragende Inhalte seiner Präsentation überarbeiten muss. Uns ist es wichtig, den wissenschaftlichen Aspekt in den Vordergrund zu stellen. Schließlich ist dieser für die großartige Qualität der Konferenz ausschlaggebend. Die Kommunikation von Marketing- und Sales-Argumenten ist auf die Vendor-Präsentationen beschränkt.

Sowohl die Zusammenstellung eines interessanten und anspruchsvollen Konferenzprogramms als auch die Konferenzlogistik sind eine echte Herausforderung. Während ich mich, wie gesagt, um die inhaltliche Ausgestaltung des Programms kümmerte, war mein Co-Chair Michael Irrgang von Boeing für die Logistik zuständig. Das heißt: Hotel, Konferenzräume und –ausstattung, Buchungsprozess und so weiter. Die Organisation einer solchen Konferenz mit mehr als 100 Teilnehmern funktioniert nur im Zusammenspiel. Michael Irrgang und ich bekamen auch viel Unterstützung von unseren Vorgängern. Ohne deren Hilfe wäre die Konferenz nicht so erfolgreich gewesen.

Die AGIFORS wird meist auch von einer Host Airline unterstützt. Dieses Jahr half Air France hervorragend bei der Ausgestaltung des Rahmenprogrammes: Wir durften einen wunderschönen Ausflug auf der Seine genießen.


Du bist die erste Mitarbeiterin von Lufthansa Systems, die diesen Posten ausfüllt. Wie bist du auf die Idee gekommen, dich für den AGIFORS-Vorsitz einer Study Group zu bewerben?

Die Wahl zur Vorsitzenden hat mich natürlich sehr gefreut. Ich bin schon seit über 10 Jahren Mitglied der AGIFORS und auch regelmäßig Konferenzteilnehmerin. Viele Mitglieder kenne ich mittlerweile persönlich. Für mich ist der Wissenserwerb, aber auch das Sammeln von Ideen und das Kennenlernen von Impulsgebern immer sehr gewinnbringend. Daher wollte ich die AGIFORS Society auch persönlich unterstützen und auch hinter die Kulissen schauen.


Was bedeutet dieser Posten für dich und deine normalen Aufgaben bei Lufthansa Systems?

Die 2.800 Mitglieder der AGIFORS sind nicht Unternehmen, sondern Personen. Die Experten aus unterschiedlichsten Aviation-Bereichen arbeiten unter anderem bei Fluggesellschaften, Software-Herstellern, Flugzeugherstellern, Universitäten und Verbänden. Der Austausch mit den Kollegen ist sehr ergiebig und zeigt neue Perspektiven auf, die Luftfahrtindustrie wahrzunehmen. Spannende Ideen entstehen und werden weiterentwickelt. Vieles lässt sich zum Beispiel auf unsere NetLine-Lösungen übertragen. Es ergeben sich auch immer wieder Möglichkeiten, Projekte insbesondere mit Universitäten zu starten oder auch die Zusammenarbeit mit anderen Firmen zu prüfen.


Gibt es dafür ein Beispiel?

Tatsächlich wurde die Thematik „Robuste Flugplanung“, also die Verspätungsrisiken bereits während der Flugplanung zu berücksichtigen, auf den AGIFORS-Konferenzen schon lange diskutiert.

Wir haben dieses Thema dann gemeinsam mit dem Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aufgegriffen und im Rahmen eines Projektes bearbeitet. Ergebnisse dieses Forschungsprojektes implementieren wir jetzt in NetLine. Dabei arbeiten wir sehr intensiv mit den Fachbereichen von Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss sowie dem Informationsmanagement der Lufthansa Group zusammen.

Mit dem Herbst-Release von NetLine/Sched stellen wir der Lufthansa Gruppe bereits erste Funktionalitäten von Resilient Scheduling und Operations zur Verfügung. Die Scheduler können dann direkt in NetLine/Sched sehen, wie sich Änderungen des Schedules auf die Pünktlichkeit auswirken. Auch eine Integration in NetLine/Ops ++ wird bald folgen.

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